Inhalt:

 

Noch ein Jahr Zeit
2004 entscheidet die EU über Beitrittsverhandlungen mit der Türkei
Interview mit Angelika Beer
von Klaus Happel


Ist Isolationshaft Folter?
Über die Haftsituation von Abdullah Öcalan
von John Tobisch-Haupt


Die Basis einbinden, die Plattform verbreitern
Interview mit Mizgin Sen (Kongra-Gel)


In Bingöl gelten eure Gesetze nicht
Eine Frauendelegation besucht einen Strafprozess
von Erika Drees

 

 

Editorial

 

Mit der vorliegenden Ausgabe beenden wir das Erscheinen der deutschen Printausgabe von ASITI, um unsere Öffentlichkeitsarbeit im angelsächsischen Sprachraum weiter auszubauen. Unter neuem Namen und mit veränderter Konzeption wird unsere deutschsprachige Publikation im Internet präsent sein. Mit der zusätzlichen Herausgabe von Halb-Jahres-Heften sollen auch weiterhin alternative Meinungen zur Lösung der kurdischen Frage transparent gemacht werden.

"Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran!". So ähnlich wie Fehlfarben, eine Musikgruppe der Neuen Deutschen Welle in den achtziger Jahren, dürfte auch die kurdische Bewegung gedacht haben, als sie den Volkskongress Kurdistans (KONGRA-GEL) gründete. Schon nach zwei Jahren war der KADEK als Nachfolgeorganisation der PKK Geschichte. Der Überraschungscoup wurde mit den jüngsten Entwicklungen im Mittleren Osten begründet. Das erklärte Ziel einer demokratischen Union des Mittleren Ostens habe mit dem alten Organisationsaufbau keine Chance auf Erfolg. Eine neue zivile politische Organisation will nun die Interessen der Kurden effektiver wahrnehmen. Der Waffenstillstand im türkisch-kurdischen Konflikt wurde verlängert, die zunehmend eskalierende militärische Situation hat sich etwas entspannt. Eine neue Chance für den Beginn eines bilateralen Dialoges bietet sich an.
Die Kurden in der Türkei sind indes über den Gesundheitszustand eines ihrer führenden Repräsentanten zunehmend besorgt. Nach fünfjähriger Isolationshaft ist die Gesundheit Abdullah Öcalans stark angegriffen. Bei Protestaktionen kommt es immer wieder zu Zusammenstößen mit den türkischen Sicherheitskräften. Doch die kurdische Bevölkerung hält an ihrer Forderung fest: Freiheit für Abdullah Öcalan und eine politische Lösung der kurdischen Frage! Die verheerenden islamistischen Anschläge von Istanbul haben gezeigt, dass die Türkei mehr denn je demokratischer Reformen bedarf, wenn sie der Herausforderung des islamischen Fundamentalismus effektiv begegnen will. Die Verständigung des türkischen Staates mit seinen kurdischen Bürgern wäre ein wirksames Gegengift. Denn nur wahre Demokratie kann rückwärtsgewandte Dogmen religiöser und weltlicher Art erfolgreich überwinden.

Zu diesen und anderen Themen in dieser Ausgabe: Angelika Beer (Bündnis90 / Die Grünen), Erika Drees und Mizgin Sen (Kongra-Gel) sowie eine abschließende Zeichnung unseres gefeierten Karikaturisten Klaus Becher.

Köln, im Dezember 2003, die Redaktion